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Die Geschwisterforschung beobachtet schon seit geraumer Zeit, dass in vielen Menschen der Wunsch aufkeimt, im Alter wieder enger mit den Geschwistern zusammenzurücken. Immer vorausgesetzt, die Beziehung war einigermaßen intakt. Oft sind es die äußeren Umstände, die Geschwister nach Jahren der Trennung wieder zusammenfinden lassen: pflegebedürftige Eltern, Tod naher Angehöriger oder Trennungen. Klar, dass es nicht unbedingt beziehungsfördernd ist, wenn der eine sich vor der Verantwortung drücken will, aber es soll ja auch Fälle geben, in denen Geschwister einer Meinung sind und ohne Worte aus dem Stand nach vielen Jahren Schulter an Schulter am gleichen Strang ziehen.

Dort, wo die Chemie noch nie gestimmt hat, wird es auch in Krisensituationen zündeln. Oft sind es die elterlichen Versäumnisse oder Ungerechtigkeiten, die dann wieder hochkochen und eine gute Beziehung gefährden. Wohl dem, der in der Lage ist, diese Konflikte zu thematisieren, bevor es zu heißen Themen wie Erbschaften, Steuern oder Pflegefragen kommt. Denn auch erwachsene Kinder sind Kinder und verhalten sich auch oftmals so.

Da ist nach Jahren oft nicht mehr klar, wer eigentlich damals einen Streit vom Zaun gebrochen hat. Aber aufeinander zuzugehen und den Kontakt wieder aufzunehmen fällt vielen schwer. „An mir soll es nicht scheitern, aber meine Schwester ...“

Wer so anfängt, hat schon gleich nahtlos an alte Muster angeknüpft und schiebt den anderen den Schwarzen Peter zu. Was glauben Sie, wie erfolgreich so eine Annäherung werden kann? Bevor Sie sich ans Aufarbeiten machen – lassen Sie Ihre Geschwister doch erst mal wissen, dass Sie sich über einen Kontakt freuen würden ... was meinen Sie, einen Versuch ist es wert.

Bitte

Wenn du die kleine Hand mir gibst,
Die so viel Ungesagtes sagt,
Hab ich dich jemals dann gefragt,
Ob du mich liebst?

Ich will ja nicht, dass du mich liebst,
Will nur, dass ich dich nahe weiß
Und dass du manchmal stumm und leis
Die Hand mir gibst.

Hermann Hesse

Der Boden für die Zukunft ist Ihre gemeinsame Erinnerung

Meine Schwester und ich haben bestimmt alle Stufen der Geschwisterliebe durchlaufen, die man sich so vorstellen kann. Wir hatten Zeiten, in denen wir fünfmal am Tag telefoniert haben. Wir hatten Zeiten, in denen wir gar nicht miteinander gesprochen haben. Und bei aller Fremdheit: Wir kennen einander – wie viele Geschwister – in- und auswendig, auch nach den Jahren des Schweigens.

Wir gehen – ohne vorher miteinander gesprochen zu haben – am gleichen Tag in die Stadt und kaufen ein Paar Schuhe, das fast identisch aussieht. Wir haben beim Anblick von Menschen und Situationen oft den gleichen ersten Gedanken und wir teilen viele gemeinsame Werte und Ansichten. Aber nicht alle. Und eigentlich teilen wir auch die gemeinsame Vergangenheit.

Aber, wie wir vor gar nicht allzu langer Zeit festgestellt haben, in vollständig anderen Bildern, Erinnerungen und Bedeutungen. Denn in derselben Familie aufgewachsen zu sein bedeutet noch lange nicht, die Familie auf dieselbe Weise wahrgenommen zu haben.

Und nach all den Jahren zu erfahren, und dann auch anzuerkennen, wie das Familienleben für meine Schwester war, war ausgesprochen heilsam. Zugegeben: Erst war es ein Schock. Aber schlussendlich war es heilsam. Denn es liegt ein großer Schatz darin verborgen, mit einem vertrauten Menschen sprechen zu können und zu wissen, man wird verstanden.

Ich für meinen Teil freue mich darauf, mit den Jahren eine immer besser funktionierende Geschwisterbeziehung zu erleben. Da ist dann auch der Satz einer ehemaligen Freundin nicht mehr Grund zum Ärger, sondern Grund zur Freude. Sie hat mir in einem Streit mal gesagt: „Du bist genau wie deine Schwester!“ Stimmt! Und meine Schwester zu einem guten Teil wie ich. Und zusammen sind wir unschlagbar. Herzlich Ihre Gabi Weidmann