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Sehnsüchtiges

Ruhelos, rastlos, getrieben, gehetzt – so sind viele Menschen heute unterwegs. Ständig auf der Suche. Ständig unzufrieden. So, als ob der Blick nach innen sie graust. Nur weg! Und Fluchtmöglichkeiten gibt es viele: Urlaube, Konsum, Vergnügungen, Ablenkung – alles ist verbunden mit Aktion, Lärm, Bewegung – von Ruhe weit und breit keine Spur. Und manchmal, so denke ich, ist tiefe, friedvolle Ruhe und das Anhalten und Innehalten auch gar nicht gewünscht. Denn was wäre, wenn wir entdecken, wir sind auf einem falschen Weg? Was wäre, wenn uns plötzlich klar würde, der Rhythmus, nach dem wir leben, ist gar nicht unserer?

Durch die Dunkelheit zu den Sternen
Dieser Satz stand in lateinischer Sprache auf der Hauswand eines Freundes. Ein echter Sonnyboy. Unverheiratet, mehrfacher Millionär und die Hauswand gehörte zu einem traumhaften Anwesen im Schwarzwald. Als er das Haus kaufte, stand dieser Spruch bereits da. Er wischte die Bedenken, dass man diesen Satz auch als Programm verstehen könne, mit einer großzügigen Geste vom Tisch: „Ach, was soll das? Ein Satz an der Wand. Da muss schon mehr kommen.“ Und es kam mehr.

Keine Sorge, das wird kein erhobener Zeigefinger oder ein lautes Lamento über die Charakterlosigkeit des Zeitgeistes. Im Gegenteil. Es ist mehr die stille Suche nach alten Tugenden und Werten, die es einmal gegeben hat. Und die es auch heute noch gibt – die Frage ist nur: Wo genau? Und warum verstecken sie sich? Haben sie Angst, verlacht zu werden? Oder sogar Sorge, dass kaum noch einer weiß, wie genau sie heißen? Wie sie sich anfühlen, und wer sie sind?

“Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäftigungen. Denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit Dir. Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb Deine Stirn verhärtest; dass Du Dich nach und nach des Gespürs für einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst."

Ach ja, schön wär’s vielleicht manchmal schon, so klingt’s oft wehmütig im Bekanntenkreis. Irgendwann scheint die Zeit zu kommen, in der man sich entscheidet: färben oder nicht färben. Und wie es aussieht, ist das bei weitem nicht die schwierigste Veränderung, die die Lebensmitte so mit sich bringt.
Spätestens, wenn man beim Besuch einer Tanzveranstaltung das Gefühl hat, alle anderen sind jünger als man selbst, wird einem unwohl in der Haut. Und allerspätestens, wenn der eigene Ehemann nur von früher und damals erzählt, von Jugendlieben und Motorradtouren, allerspätestens dann ist klar: Das Lied “Ich möchte noch mal 20 sein und so verliebt wie damals ...“ kommt nicht von ungefähr. Das ist erlebt, erlitten und irgendwie nicht erledigt.