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Kennen Sie das auch? Sie übersetzen einen Text, vielleicht den Liedtext eines derzeit aktuellen Chart-Stürmers, und bleiben an den einfachsten Worten hängen. Worte, deren Bedeutung Sie eigentlich kennen. Aber dank Internet geben Sie das „vermeintliche Fremdwort“ einfach in eine Suchmaschine ein und bekommen zehn alternative Vorschläge.

Sie bekommen Wortherkunft und Sprichwörter dazugeliefert, und ehe Sie es sich versehen, ist das Lied, um das es eigentlich ging, vom Bildschirm verschwunden und Sie sind im WWW untergegangen. Wieder einmal.

Ärzte sollen dieses Phänomen des „Information bias“ auch kennen. Sie diagnostizieren eine Erkrankung, aber um ganz sicherzugehen, stellen sie noch ein Dutzend Zusatzuntersuchungen an. Selbst dann, wenn diese Zusatzuntersuchungen an der bereits vorher festgelegten Behandlung nichts ändern. Aber man weiß halt mehr. Wirklich? Mal abgesehen von den Kosten, der Zeitverzögerung, dem Stress und der Datenmenge, die man jetzt mehr zu verwalten hat – was hat dieses Mehr-Wissen gebracht?

Wie sagt es der heilige Ignatius von Loyola so schön: „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge.“

Anders ausgedrückt: das Einordnen und Verstehen des Wertes einer Information. Und dazu gehören auch die Informationen, die wir als Erfahrung abspeichern. Denn schon bei der nächsten Studie, die landauf, landab verkündet wird, sind wir nur allzu gerne bereit, unser Wissen wieder über Bord zu werfen und die neue Weisheit als richtig und richtungsweisend auf unsere Fahnen zu schreiben.

Wie war das noch? Erst hieß es, Kaffee ist Teufelszeug, und jetzt soll er sogar vor Alzheimer und Diabetes schützen? Was wird wohl die nächste Wahrheit sein?

Wenn wir Wissen so betrachten, macht es sicher dumm. Weil es nicht reflektiert wird. Vielleicht sollte ich lieber sagen dumpf? Was ist mit unserem Bauchgefühl, was mit unserer Erfahrung? Was mit unserem morphologischen Gedächtnis und was mit dem Schatz aller Generationen und Kulturen vor uns?

Wenn wir nicht imstande sind zu bewahren, was die Seele der Welt und dieses Universums schon alles „weiß“, und wenn wir nicht imstande sind, das verbal oder nonverbal weiterzugeben und zu leben, dann werden wir an dem Wissen, was von allen Seiten auf uns einstürmt, wenig Freude haben, befürchte ich. Für heute wünsche ich Ihnen die stille Besinnung auf Ihr inneres Wissen und die Kraft, den ein oder anderen Ansturm des heutigen Tages zu parieren.