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Blut ist dicker als Wasser ... sagt ein Sprichwort.

Denn die Beziehungen zu unserer Familie können wir uns zum einen nicht aussuchen. Eine weitere, scheinbar unumstößlich Weisheit. Noch gibt es Beziehungen, die so lange andauern wie die zu und unter Geschwistern. Was noch nichts über die Qualität an und für sich aussagt. Aber zunächst lassen Sie uns schauen, was die Aussage „Blut ist dicker als Wasser...“ wirklich meint.

(Bluts-)Verwandte sollten zusammenhalten, und unter Verwandten ist man bereit, mehr zu tun als für andere Menschen. Ursprünglich aber meinte das Sprichwort genau das Gegenteil: Zu Zeiten des Alten Testaments wurden Verträge „mit Blut“ besiegelt, und diese Verträge standen der Bedeutung nach über allen verwandtschaftlichen Beziehungen.

Dazu gab es keine Blutsbrüderschaft à la Winnetou, aber ein Opfertier. Diese Zeiten sind vorbei, und heute besiegelt man Verträge anders. Aber der Spruch ist geblieben. Ob das Gefühl auch erhalten geblieben ist über die vielen Jahre, das finden wir gemeinsam heraus. Denn auch die Beziehung zu Geschwistern oder zu Stiefgeschwistern ist ein Kapitel für sich im bunten Allerlei von Beziehungen.

Und ganz gleich, ob Sie und Ihre Geschwister sich regelmäßig oder nur selten treffen – bei familiären Großereignissen etwa –, die Beziehungen zu Geschwistern gehören zu den längsten Beziehungen unseres Lebens.

Lebenslänglich 

Wo begegnen sie uns nicht überall, die Geschwisterbeziehungen: Filme, Theater, Oper, Literatur und schon in der Bibel. Alle Gefühle sind erlaubt und denkbar: Liebe, Solidarität, Unterstützung, Ablehnung, Neid, Rivalität, Hass – alles ist offen.

Ich stelle mir immer vor, dass wir einen Familienrahmen haben.

In diesem Rahmen ist nur begrenzt viel Raum, und wenn wir diesen Raum teilen, dann landen wir als Erstgeborene(r), Mittlere(r), Jüngste(r ) oder Einzelkind in diesem Raum, in diesem Rahmen. Diese Position prägt uns vermutlich mehr, als wir ahnen, und sie zeigt sich wie ein roter Faden in unserem Verhalten gegenüber unserem Chef, unserem Partner, unseren Freunden.

Wo bin ich und wie verhalte ich mich dort? Bin ich der Vermittler in allen Lebenslagen oder eher das Küken? Als Kind sind wir uns dieser Qualität unserer Rolle in der Verbindung zu unseren Geschwistern oft nicht bewusst – da geht es um Gesehenwerden und darum, den Platz zu finden oder zu verteidigen. Aber später kann diese Qualität zu einer großen Kraftquelle werden.

Wenn wir als Erwachsene auf die Beziehung zu unseren Geschwistern schauen und vielleicht nach Jahren weit entfernte Wohnorte und unterschiedliche Erfahrungen im Beruf oder Privatleben überwinden, kommt die Erkenntnis. Dass diese eine Beziehung lebenslänglichen Bestand hat. Und niemals zu Ende geht. Denn selbst wenn sie nicht gepflegt wird, die Basis einer gemeinsamen Kindheit ist ein starkes Band. Für heute wünsche ich Ihnen Zeit und Muße, in die Kraft dieses Bandes hineinzuspüren und zu entdecken, wie es sich anfühlt, als Erwachsener auf den Rahmen Ihrer Familie zu schauen und Ihren Platz zu entdecken.